Fortbildung in Lohr
von WOLFRAM ADELMANN und ROBERT STAUFER

Erstes gemeinsames Seminar der Forstschule Lohr und der ANL. Forst- und Naturschutzverwaltung tauschen intensiv Erfahrungen zu Natura2000 Gebietsmanagement aus.

Die Bayerische Forstschule Lohr a. Main und die Bayerische Akademie für Naturschutz und Landschaftspflege veranstalteten erstmals gemeinsam ein Seminar mit dem Auftaktthema Natura 2000 Gebietsmanagements im Wald. Die Teilnehmer aus verschiedenen Verwaltungsebenen der beiden Geschäftsbereiche des Bayerischen Staatsministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (STMELF) und des Bayerischen Staatsministeriums für Umwelt und Verbraucherschutz (STMUV) diskutierten intensiv über die praktische Umsetzung von Natura 2000 im Wald. Sowohl planerische Fragen, als auch die Herausforderungen bei der Implementierung in die forstliche Praxis waren Inhalt des Seminars. Offen und konstruktiv wurden auch kritische Aspekte angesprochen: Wie lassen sich Lichtbaumarten wie die Eiche und assoziierte Lebensräume erhalten? Wie ist die natürliche Sukzession zu bewerten, wenn sich ein Lebensraum von Natur aus in einen anderen Lebensraumtyp verwandelt? Oder wie lassen sich naturschutzfachliche Nutzungsvorgaben mit der Praxis vereinbaren?

Teilnehmer in der Aula

Im Zentrum des dreitägigen Seminars stand es, gemeinsam Lösungen zu erörtern, die Sichtweise der anderen Seite zu erfahren und Verständnis für die Herausforderungen der jeweiligen Seite zu gewinnen. Das Seminar bot auch reichlich Gelegenheit für den persönlichen Austausch, das Resümee der Teilnehmer war eindeutig: Solche Austauschseminare braucht es mehr. Nur gemeinsam lassen sich Naturschutzrecht, FFH-Zielsetzungen und forstliche Ziele in Einklang bringen. Es braucht regionale bzw. lokal angepasste Lösungen mit größtmöglicher Flexibilität für die Bewirtschafter. Die Forderung von pauschalen Lösungen wurde einstimmig abgelehnt. Das Top-Down-Prinzip darf nur für Rahmenbedingungen gelten. Flexible Umsetzung im gegenseitigen Einvernehmen war somit der gemeinsame Wunsch der Teilnehmer beider Verwaltungen. Beide Seiten beklagten jedoch eine wachsende Arbeitsbelastung, die sich durch den Zeitdruck, baldmöglichst die Gebietsplanung von Natura 2000 bzw. Erstellung von Managementplänen abzuschließen, noch verschärft. So wurde festgestellt, dass ein schnelles Vorgehen im Widerspruch zu den inhaltlichen Zielen steht, die Planung fachlich gründlich und im Einverständnis mit den lokalen Akteuren zu treffen. Diese Aufgabe erfordert eine deutliche Personalerhöhung auf beiden Seiten.
Erfreulich waren die vielfältigen lokalen Lösungen „im Kleinen“ für die Praxis. Hier zeigte es sich, wie wertvoll der intensive Austausch zwischen erfahrenen Kolleginnen und Kollegen und denjenigen, die gerade erst am Beginn der Managementplanung stehen, ist. Somit verwunderte es auch nicht, dass sich die Seminarthemen immer wieder auf die Planerstellung, Durchführung Runder Tische und Einbindung von Akteuren verschoben. Praktische Erfahrungen sind eine wertvolle Ressource, die erst durch gemeinsame Seminare beider Verwaltungen nutzbar wird. Einigkeit herrschte über die übergeordneten Ziele: Es braucht Rechtssicherheit für alle Arbeitsschritte für beide Seiten. Unsicherheit führt schnell zu verhärteten Fronten: Nach dem Motto „Bevor ich einen Fehler mache, mache ich lieber nichts“ zu handeln führt in Sackgassen. Hier sind die Beispiele von Lösungswegen aus Regionen, die bereits in der Umsetzung der Planung arbeiten, extrem wertvoll. Die Bayerische Forstschule Lohr a. Main und die Bayerische Akademie für Naturschutz und Landschaftspflege sind sich einig: Es soll eine Fortsetzung dieser Seminarform geben, am besten regional konkretisiert, um spezifische Fragestellungen zu Recht, ökologischen Ansprüchen, Planung und forstliche Umsetzung möglichst konkret zu besprechen.